WhatsApp gehört Meta. Wer Wert auf Privatsphäre legt, hat Alternativen: Matrix, Signal und Telegram im Vergleich, und wie der Umstieg gelingt.
Die Nachrichten selbst sind bei WhatsApp Ende-zu-Ende-verschlüsselt, das stimmt. Das Problem liegt woanders: WhatsApp gehört zu Meta, demselben Konzern wie Facebook und Instagram. Meta sammelt umfangreiche Metadaten: wer mit wem, wann, wie oft und wie lange schreibt, auch wenn der Inhalt verschlüsselt bleibt. Diese Metadaten verraten oft mehr über ein soziales Netzwerk als der Inhalt selbst.
Dazu kommt: WhatsApp gleicht bei der Installation das komplette Adressbuch mit Meta-Servern ab, auch die Nummern von Kontakten, die selbst gar kein WhatsApp nutzen und dem nie zugestimmt haben. Client und Server sind zudem Closed Source: niemand außerhalb von Meta kann wirklich prüfen, was im Hintergrund passiert. Und die Verknüpfung mit Facebook/Instagram-Konten liefert Meta ein noch genaueres Werbeprofil.
Nicht jeder Messenger, der "verschlüsselt" wirbt, hält, was er verspricht. Darauf kommt es wirklich an:
Drei Kandidaten erfüllen das unterschiedlich gut, je nachdem, worauf es einem ankommt.
Alle drei sind WhatsApp in Sachen Datenschutz und Unabhängigkeit überlegen, aber auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichen Kompromissen.
Matrix ist kein einzelner Dienst, sondern ein offenes Protokoll, vergleichbar mit E-Mail, nur für Chat. Jeder kann einen eigenen Server ("Homeserver") betreiben oder sich bei einem bestehenden Server anmelden, zum Beispiel bei dem von ov-host.de (Zugang über Element, den gebräuchlichsten Matrix-Client). Nachrichten sind standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt (Olm/Megolm), niemand muss einem einzelnen Anbieter vertrauen, und Brücken zu anderen Diensten (auch WhatsApp oder Telegram) sind möglich.
Vorteil: volle Kontrolle, dezentral, keine Bindung an einen Konzern.
Nachteil: der Einstieg ist etwas erklärungsbedürftiger als bei WhatsApp, und nicht jeder Kontakt hat schon einen Account.
Signal setzt das sogenannte Signal-Protokoll ein, genau das, das WhatsApp intern lizenziert hat, nur eben von einer gemeinnützigen Stiftung betrieben statt von Meta. Client und Server sind vollständig quelloffen, die Bedienung ist praktisch identisch zu WhatsApp, und durch Techniken wie "Sealed Sender" fallen deutlich weniger Metadaten an.
Vorteil: denkbar einfacher Umstieg, sehr gute Verschlüsselung, kaum Umgewöhnung nötig.
Nachteil: weiterhin zentralisiert (ein Anbieter), Telefonnummer bei der Anmeldung erforderlich.
Telegram punktet mit riesigen Gruppen, Kanälen und Bots, dafür ist es gebaut. Weniger bekannt: normale Chats sind standardmäßig nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Das gibt es nur in optionalen "Secret Chats", die auf ein Gerät beschränkt sind und in Gruppen gar nicht funktionieren. Das eigene Verschlüsselungsverfahren (MTProto) wurde von Kryptografen wiederholt kritisiert, und Firmensitz sowie Datenschutzpraxis sind wenig transparent.
Vorteil: gut für offene Communities, Kanäle, große Gruppen.
Nachteil: für vertrauliche 1:1-Gespräche die schwächste der drei Optionen.
Ein Umstieg passiert nicht über Nacht, am besten funktioniert er schrittweise:
Man muss sich übrigens nicht auf eine einzige Alternative festlegen: viele nutzen Signal für enge Kontakte und Matrix für alles, was mehr Kontrolle oder einen eigenen Server verdient.
Zum Nachlesen und Ausprobieren: